Nach einem Jahr bekamen sie ein neues Zuhause. Es war eine richtige Wohnung. Sie zogen immer wieder um. Nur an diesen Tagen konnte sie die Welt da draußen sehen. Ansonsten waren sie immer Zuhause, aber ihr Vater meinte es nur gut. Wollte sie beschützen. Ihre Geschwister hatten sie seitdem auch nicht mehr gesehen. Wie sie sehr sie vermisste. Die Tage vergingen. Sie hatte kein Zeitgefühl. Lebten vor sich hin. Sie erinnert sich an viele kleine Erlebnisse. Wie sie mit ihrem Kopf auf eine Holzkiste aufschlug. Stark blutend. Doch sie konnten nicht zum Arzt, denn die Tür war versperrt und sie hatten keinen Schlüssel. Ihr Bett. Eine Matratze und all die Spinnen an der Wand wo sie lag. Sie hatte Angst vor ihnen. Ihre Mutter bekam noch ein Kind. Einen Jungen. Hin und wieder konnten sie sogar ihre Halbgeschwister besuchen. Waren sogar auf dem Spielplatz mit ihnen. Wie traurig sie war wenn es wieder zurückging. Ein Erlebnis wird sie besonders prägen. Sie ist mit ihren beiden Geschwistern auf dem Boden. Ihr Bruder noch ganz klein. Ihre Schwester hat ihre Beine an seinem Kopf. Sie rennt zu ihrer Mutter und verpetzt sie. So hatte ihre Mutter ihr doch erst erklärt, dass die Babys diese Fontanelle haben. Es ist am Kopf noch nicht zusammengewachsen. Wenn man dort anfasste, dann würde das Baby krank werden. Ihre Mutter war außer sich vor Wut. Auch sie schlug sie oft. Mit Gürteln, Kleiderbügeln, der Fliegenklatsche oder der bloßen Hand. Aber an diesem Tag war es besonders schlimm. Ihre Mutter schlug ihrer kleinen Schwester so sehr auf ihrem Po. Immer wieder. Ihre kleine Schwester schrie und schrie. Ihre Mutter meinte nur immer wieder, dass sie erst aufhören würde, wenn sie aufhören würde zu heulen. Lange schlug sie sie. Sehr lange. Sie sprang schnell auf und ab. Hysterisch. Sie schrie, dass ihre Mama aufhören solle. So hilflos. So würde sie sich noch oft in ihrem Leben verhalten. Endlich war Stille. Ihre Schwester weinte leise. Wimmerte. Als sie ihren Po sah war sie entsetzt. Die Fingernägel ihrer Mutter hatten blutige Abrücke auf ihrer Haut hinterlassen. Ihre Haut war Blau und mit diesen Abdrücken überseht. Überall. Sie weinte. Ihre Mutter meinte das wären nur Blutergüsse von ihren Nägeln. Sie blutete nicht. Ihre Mutter wurde fürsorglich und bracht ihr etwas zum kühlen. Keiner traute sich etwas zu sagen. Stille. Sie dachte nach was sie getan hatte. Im Nachhinein war ihr bewusst, dass ihre Schwester weit davon entfernt war ihren Bruder am Kopf zu treten. Ihre Füße hatten ihn noch nicht mal berührt. Es war ihre Schuld, dass sie so leiden musste. Ihre, dass sie diesen Schmerz ertragen muss. Sie war auch noch zu schwach um ihre Mutter zu bremsen. Dieses Erlebnis würde für immer in ihrem Kopf bleiben. Sie würde immer wieder diese schrecklichen Bilder sehen, wenn sie ein Kind weinen hört. Das war ihre gerechte Strafe.
Als sie wieder in einer neuen Wohnung waren, entschloss sich ihre Mutter weg zugehen. Mittlerweile wusste auch sie, dass es wohl nicht normal ist so zu leben. Nur wusste sie dies nicht wirklich. Eher in ihrem Unterbewusstsein. Ihre Mutter meinte sie würden zu ihrer Oma fahren. Ihre Oma? Sie kannte sie nicht. Sie nahmen ihre wenigen Sachen und ließen alles hinter sich. Es gab kein zurück. Ihr Vater würde sie alle schlagen, wenn er sehen würde, was sie vorhatten. Sie konnten nur fliehen.
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